Ein Kommentar einer Genossin der FAU Lübeck
Wir leben in einer beängstigenden Zeit. Überall, wo eins hinschaut, erhebt sich wieder der Schatten des Autoritarismus. Faschistische Organisationen, völkische Jugendgruppen und reaktionäre Zusammenschlüsse gewinnen an Zulauf und das Schlimmste: Sie finden zunehmend Anklang in der gesamten Gesellschaft.
Mit neu gegründeten faschistischen Jugendorganisationen wie Generation Deutschland, dem Nachfolger der Jungen Alternative und mit autoritären K-Gruppen, die gezielt Menschen ansprechen, die nach Orientierung suchen, erleben wir, wie Selbstbestimmung, gegenseitige Hilfe und Solidarität immer weiter verdrängt werden. Stattdessen gewinnen die Heilsversprechen faschistischer Rattenfänger*innen und selbsternannter Avantgarden, die vorgeben, Menschen aus Perspektivlosigkeit und Ohnmacht zu erlösen, an Einfluss.
Doch wir als Anarchistinnen und libertäre Kommunistinnen lassen uns von ihren geschichtsrevisionistischen Phrasen nicht täuschen. Wir wissen, was geschieht, wenn Menschen Autorität über Freiheit, Nation über Menschlichkeit, Gehorsam über Selbstbestimmung stellen. Wir kennen den Preis und wir zahlen ihn nicht noch einmal.
Darum müssen wir heute wieder mutig, laut und organisiert sein. Wir müssen neue Wege finden, um Menschen für ein freiheitliches, solidarisches und revolutionäres Miteinander zu gewinnen. Wir brauchen wieder die Schwarzen Scharen!
Aber was waren die Schwarzen Scharen eigentlich?
Die Schwarzen Scharen entstanden Anfang der 1930er Jahre als antifaschistische Selbstschutzorganisationen der anarcho-syndikalistischen Bewegung in Deutschland. Sie bildeten sich in Städten wie Erfurt, Bochum oder Einbeck und bestanden aus überwiegend jungen Mitgliedern der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) und der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands (SAJD), die sich selbst organisierten, um den Faschismus auf der Straße und in den Köpfen zu bekämpfen.
Sie trugen schwarze Hemden als Zeichen des Widerstands, traten mit Musikzügen auf, verteidigten libertäre Versammlungen und sie wussten: Antifaschismus ist kein Lippenbekenntnis, sondern gelebte Praxis. Ihre Stärke lag nicht in der Zahl, sondern im Mut, im Vertrauen zueinander, in der Überzeugung, dass Freiheit nur durch gemeinsames Handeln verteidigt wird.
Wenn wir heute von den Schwarzen Scharen sprechen, geht es nicht um Nostalgie. Es geht um Haltung. Um Entschlossenheit. Um eine Erinnerung daran, dass Selbstemanzipation nicht geschenkt wird, sondern erkämpft werden muss jeden Tag, in jeder Straße, in jedem sozialen Raum.
Was wir brauchen, sind wieder Räume, in denen Menschen sich selbst ermächtigen können, jenseits von Parteiapparaten, von Führungsansprüchen oder Dogmen. Räume, in denen Solidarität gelebt wird, in denen eins lernt, sich zu verteidigen, füreinander einzustehen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam eine neue Kultur der Selbstbestimmung und der Gegenseitigen Hilfe aufzubauen.
Die Zukunft wird frei sein – oder sie wird nicht sein.
Wir haben keine Zeit für Resignation. Unsere Stärke liegt in der Selbstorganisation, in unserer Wut, unserer Liebe und unserem unbezähmbaren Willen zum Leben.
Die Geschichte der Schwarzen Scharen erinnert uns daran: Wenn wir uns zusammentun, wenn wir uns weigern zu gehorchen und stattdessen zu handeln beginnen, kann aus jedem Funken ein Feuer werden.
Ein Feuer, das brennt für Freiheit, Solidarität und Anarchie.










